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MUSIK UNTER DER LUPE - Teil 5: Stürmische Ruhe mit einem Streichquartett von Ravel
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07.Juli 2017   Kammermusikzentrum NRW

„Musik unter der Lupe“ wirft einen genaueren Blick auf das erste und einzige Streichquartett von Maurice Ravel.

Seiner Zeit galt Ravels einzige Komposition für Streichquartett als Bewerbung für den jährlich ausgetragenen „Rom-Preis“ im Jahre 1903. Allerdings gelang es ihm nicht, die Jury für sich zu gewinnen. Laut den Juroren fehle es dem Stück an Einfachheit. Diese Kritik stieß bei Ravel persönlich auf Unverständnis, hatte er sich doch von den Komplikationen eines Beethovens gelöst und sich ausschließlich auf Grazie und Sinnlichkeit verlassen. Ravels Professor, der Komponist Gabriel Fauré, lehnte das Werk seines Schülers dennoch vehement ab.

In der Musiktheorie mochte man sich über Ravel streiten; beim Publikum jedoch war das Quartett ein unbestrittenes Meisterwerk und ist bis heute sehr beliebt. Die träumerische Ruhe der Melodie erstreckt sich über alle vier Sätze und lässt Raum für einen gelegentlichen Sturm.

„Ravel ist in erster Linie verdammt schwer. Leider auch verdammt schön, aber es benötigt Perfektion. Ach was, Perfektion!“, erklärt Casper, der erste Geiger des Doron-Quartetts. Die zweite Geige Masako erzählt beschwingt: „Bei Ravel scheint es als ob man miteinander verschmilzt. Das Stück fließt immer weiter, bäumt sich dann auf und verschwindet im Nichts. Vielleicht ist es wie ein Unwetter, wo Wolken und Wind ständig in Bewegung sind. Als Quartett ist es eine Herausforderung dieses Gefühl der Weite zu vermitteln. Und das kann man nur, wenn man gemeinsam in diese Welt eintaucht. Manchmal ernüchternd schwer, aber auch verdammt schön!“

Aron Torka