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Die Rede des Astronauten Thomas Reiter bei dem Konzert im Schlachthof Wiesbaden unter der Organisation der Mozart Gesellschaft.
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07.Juni 2017   Landesjugendorchester NRW

Sehr geehrter Herr Jörg, sehr geehrter Herr Tewinkel, meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist mir eine ganz besondere Freude, heute anlässlich dieses von der Mozart-Gesellschaft hier im Schlachthof in Wiesbaden organisierten Konzerts mit dem Thema „Sternenklänge“ bei Ihnen zu sein! „ Der Weltraum, unendlichen Weiten…“

Sehr geehrter Herr Jörg, sehr geehrter Herr Tewinkel,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
es ist mir eine ganz besondere Freude, heute anlässlich dieses von der Mozart-Gesellschaft hier im Schlachthof in Wiesbaden organisierten Konzerts mit dem Thema „Sternenklänge“ bei Ihnen zu sein!
„ Der Weltraum, unendlichen Weiten…“
ich denke, den meisten von Ihnen sind diese einleitenden Worte einer bekannten Science Fiction Serie vertraut. Diese Worte drücken die Faszination und die Sehnsucht aus, welche der Raum jenseits der Grenzen unserer Atmosphäre in sich birgt. Diese „unendlichen Weiten“ mit ihren Millionen und Abermillionen von Sternen, haben seit jeher die Fantasie der Menschen beflügelt.
Der Weltraum hat schon immer Wissenschaftler ebenso wie Künstler in seinen Bann gezogen, wie zum Beispiel in der Mythologie (Daedalus und Ikarus), der dichtenden Kunst (Goethes „Nachgedanken“, Friedrich von Schiller „Sterne lügen nicht“, oder Arthur Schopenhauer „Der verschwundene Stern“). Und insbesondere auch in der Musik gibt es viele Werke, die sich des Themas „Weltraum“ angenommen haben.
Das Werk von Gustav Holst – die Planeten – das wir gleich hören werden, ist nur eines von vielen Beispielen. Der Mond und die Sterne haben in zahlreichen musikalischen Werken einen zentrale Rolle gespielt (Abendlied Gedicht von Matthias Claudius 1779 „Der Mond ist aufgegangen“).

Auch einige klassische Musikstücke, deren Komponisten bei der
Kreation ihrer Werke sicher mit keinem Gedanken an den Weltraum
dachten, wurden dennoch in – wie ich meine – ausgesprochen
eindrucksvoller Weise mit den Weltraum in Verbindung gebracht.
Hierzu zählt ohne Zweifel der Science-Fiction Klassiker „2001 Odysse im
Weltraum“ von Arthur C Clarke und Stanley Kubrick, in denen die
symphonische Dichtung von Richard Strauss „Also sprach Zarathustra“
und von Johann Strauss der Walzer „Die blaue Donau“ Verwendung
fanden.

Auch die moderne Musik greift die Raumfahrt immer wieder auf, wie
David Bowie (Space Oddity /Major Tom – Chris Hadfield), Rolling Stones
(2000 Lightyears from home), Savage Garden („To the Moon and back“)
oder der bekannte Textausschnitt „Mars ain`t a place to raise your kids,
in fact, it´s cold as hell…“ in Rocket Man von Elton John.
Doch lassen Sie mich ein paar Eindrücke mit Ihnen teilen, wie man
Musik wahrnimmt, wenn man sich tatsächlich im Weltraum befindet, und
auf unseren Planeten- oder in die entgegengesetzte Richtung, in die
Milchstraße, schaut.
Das Gefühl der Schwerelosigkeit, also die Wahrnehmung einer
„Körperlosigkeit“, potenziert sich gewissermaßen mit den Eindrücken,
die man beim Blick aus einer Höhe von 400 km über der Erdoberfläche
erlangen kann. Und genau diese Kombination von externen
Bedingungen wird nochmals potenziert, indem man Musik hört.
Die Arbeit an Bord einer Raumstation ist trotz Schwerelosigkeit
ausgesprochen anspruchsvoll und das tägliche Arbeitspensum lässt
einem kaum Zeit für etwas Muße.

Wahrscheinlich trägt aber gerade auch die Tatsache, dass wir uns dort
Oben in einer technischen Umgebung, in der das eigene (Über-) Leben
von zahlreichen Maschinen abhängt, dazu bei, dass man den Blick auf
unseren Planeten, in die Tiefen des Weltraums, und das Hören von
Musik so unglaublich intensiv wahrnimmt.
Wir können von Bord der internationalen Raumstation ISS unseren
eigenen Kontinent in seiner Gesamtheit überschauen, wir sind fasziniert
von der Vielfalt an Farben und Formen, welche die Erdoberfläche auf
ihren 7 Kontinenten zu bieten hat. Wir sehen Wolkenformationen,
Sonnenauf- und untergänge im Zeitraffer, auf der Nachtseite überfliegen
wir Gewitterregionen, sehen die Metropolen dieser Erde hell erleuchtet,
und sind von Leuchterscheinungen wie der Aurora oder sogenannten
nachtleuchtenden Wolken bezaubert.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, versuchen Sie sich einmal
vorzustellen, wie sehr diese „überirdischen“ Eindrücke durch Musik noch
verstärkt werden. Ich habe mir zum Beispiel den Donauwalzer von
Johann Strauss angehört, als sich eines der russischen
Versorgungsraumschiffe ganz langsam unserer Station näherte und
dann andockte. Eines Nachts, bevor ich mich zur Ruhe begab, sah ich
eine Sternschnuppe unter mir in die Atmosphäre eintreten, während
gerade das Lied „Albatross“ von Fleetwood Mac lief – überwältigende
Momente!

Und ich kann Ihnen versichern, dass gerade auch das Stück „The
unanswered Question“ von Charles Ives, dass wir nachher hören
werden, im Weltraum ganz besonders wirken würde. Vielleicht können
Sie sich ja mit Ihrem geistigen Auge dabei in den Erdorbit versetzen,
wobei Sie leise über unseren Planeten schweben und dessen Schönheit
bewundern.

Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt allerdings, denn an Bord der ISS ist
es durch eine Vielzahl von Ventilatoren, welche die Luft permanent
umwälzen müssen, enorm laut. 72 dB muss man dort tagein-tagaus
ertragen, was lautem Straßenlärm entspricht. Im luftleeren Raum, der
die Raumstation umgibt, kann sich kein Schall ausbreiten. In der
Atmosphäre im Inneren der ISS ist es dennoch nicht einfach, ein
Musikinstrument wie eine Gitarre überhaupt zu hören. Man begibt sich
deshalb in eine Zone, in der die Hintergrundgeräusche einigermaßen
gedämpft sind, nämlich in eine der beiden Luftschleusen. Dort kann man
dann, wenn auch etwas eingeschränkt, seinem Hobby frönen.
Doch zurück zu dem heutigen Konzert: zu vielen der Planeten, die
Gustav Holst musikalisch interpretiert hat, haben wir von der
europäischen Raumfahrtagentur ESA bereits Satelliten geschickt, oder
werden das in den kommenden Jahren noch tun: im Januar 2015 endete
eine Mission zur Venus, um den Mars kreisen gegenwärtig 2
europäische Satelliten, zusammen mit der NASA haben wir im Januar
2005 eine Sonde auf dem Saturnmond Titan gelandet, im Jahr 2018
werden wir eine Sonde zum Merkur schicken und im Jahr 2022 ist der
Start einer Sonde zu den Monden des Jupiters geplant, die dort im Jahre
2030 ankommen soll, und Jupiter, dem „Bringer der Fröhlichkeit“, sicher
einiger seiner Geheimnisse entreißen wird.
Zusammen mit unseren internationalen Partnern arbeiten wir daran, im
kommenden Jahrzehnt möglicherweise Menschen zunächst wieder auf
die Oberfläche des Mondes zurückzubringen, um dann in vielleicht 20-
30 Jahren Menschen zu unserem Nachbarplaneten Mars zu bringen.

Die Erlebnisse von Luke Skywalker, so wie in dem modernen Märchen
„Krieg der Sterne“ beschrieben, liegen allerdings noch weit in der
Zukunft. Ich hoffe, dass Menschen dann tatsächlich die Tiefen des
Weltraums erkunden werden, allerdings in friedlicher Absicht, und nicht
in einem Szenario, wie es uns dieses sehr unterhaltsame Märchen, in
dem das Gute am Ende doch hoffentlich siegen wird, beschreibt.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich wünsche Ihnen nun viel
Spaß bei den „Sternenklängen“ - lassen Sie sich dabei mit Ihren Sinnen
in die Tiefen des Weltraums entführen….